In der ersten Stufe werden in einer Grobuntersuchung eine Vielzahl von Varianten betrachtet und die Vor- und Nachteile dargestellt. Auf der Grundlage von festgelegten Bewertungskriterien erfolgt eine Auswahl von dann näher zu untersuchenden Trassen.

Variantenuntersuchung

Die Variantenuntersuchung für eine Straßenbahntrasse von Kassel nach Lohfelden gliedert sich grundsätzlich in vier Teilbereiche mit unterschiedlichen Fahrwegen, die untereinander größtenteils kombinierbar sind.

Die Teilbereiche sind:

  • Streckenführung in Kassel bis Autobahn
  • Streckenführung von Autobahn bis Hauptstraße
  • Streckenführung von Hauptstraße bis Lange Straße Streckenführung
  • von Lange Straße bis Endpunkt

Die einzelnen Streckenführungen werden nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Städtebauliche Integration
  • Fahrzeit
  • Erschließungswirkung der Wohn- und Gewerbegebiete Bauliche Machbarkeit
  • Kosten
  • Eingriff in vorhandene Struktur
  • Einfluss auf direkte Anwohner
  • Eingriff in Natur und Landschaft

Im folgenden Text werden die Streckenvarianten in den Teilbereichen kurz beschrieben.

Bildschirmfoto 2015-12-27 um 22.16.46

Teilbereich 1 – Streckenführung in Kassel bis Autobahn

Es wurden auf Kasseler Gebiet insgesamt 5 Fahrwege untersucht, um Loh- felden mit einem Schienenverkehrsmittel zu erreichen.

  1. Neubaustrecke ab Auestadion über Messehallen, Waldau und Waldauer Weg bis zur Autobahn
    Im Rahmen der Tram/RT-Streckenerweiterung nach Waldau wurde diese Variante bereits untersucht. Hohe Investitionskosten und relativ lange Fahrzeiten bis in die Kasseler City führten dazu, diese Variante nicht weiter zu verfolgen.
    Diese Bewertung trifft auch weitestgehend für die Erschließung von Lohfelden zu.
  2. Neubaustrecke zwischen Gesamtschule Waldau (geplanter Endpunkt der Streckenerweiterung nach Waldau) über vorhandene Industriegleise und den Waldauer Weg bis zur BAB 7 Für diesen Fall ist eine komplett neue Straßenbahnlinie zwischen Kassel Hbf. über Waldau nach Lohfelden notwendig, da die Kapazität der angedachten RT-Fahrzeuge, die Waldau anfahren sollen, nicht ausreichend sein wird, um zusätzlich die Fahrgäste aus Lohfelden aufzunehmen. Betriebliche Vorteile kann eine derartige Trassenführung für den Schwachverkehr bringen.
  3. Neubaustrecke von der Haltestelle Lindenberg über Forstbachweg und alte Söhrebahntrasse bis zur Autobahn
    Verlängerung der Linie 8 kostengünstig möglich. Alte Söhrebahntrasse ist bereits als Schienenstrecke freigehalten.Verhältnismäßig günstige Baukosten. Weitgehend unabhängiger Bahnkörper.
  4. Neubaustrecke von der Haltestelle Lindenberg über Forstbachweg und Ochshäuser Straße bis zur Autobahn
    Verlängerung der Linie 8 möglich.
    Großer Aufwand für den Umbau der Ochshäuser Straße. Verkehrseinschränkungen der stark befahrenen Ochshäuser Straße durch Mitbenutzung der Tram.
  5. Neubaustrecke von der Haltestelle Lindenberg über Forstbachweg altes Industriegleis und Waldauer Weg bis zur Autobahn Verlängerung der Linie 8 möglich. Bessere Erschließung des Gewerbegebietes (am östlichen Rand).Eine Minute längere Fahrzeit gegenüber C und D.

Teilbereich 2 – Streckenführung von Autobahn bis Hauptstraße

Der Teilbereich 2 stellt drei Trassen zwischen Autobahn und Hauptstraße in Lohfelden dar.

  1. Endhaltestelle SportplatzDie Neubaustrecke endet unmittelbar hinter der Stadtgrenze von Kassel auf einer Freifläche zwischen Ochshäuser Straße und Waldauer Weg.
  2. Ehemaliger BahndammAb der Autobahnunterquerung wird die Trasse am Fuße des ehemaligen Bahndamms bis zum Waldauer Weg geführt. Zwischen Waldauer Weg und Hauptstraße führt die Trasse über vorhandene Grünflächen bis zur Hauptstraße. Vorliegende Strecke wurde in der Vergangenheit stets als favorisierte Lösung gesehen und ist baulich relativ einfach und kosten- günstig umsetzbar.
  3. Entlang der AutobahnAb Autobahnunterquerung wird die Strecke am Fuße des Autobahndammes in Richtung Westen bis zur Straße „Am Stadion“ und weiter bis zur Hauptstraße geführt. Vorteil dieser Lösung ist eine größere Entwicklungslänge für die Höhendifferenz zwischen dem Höhenniveau unter der Autobahnbrücke und dem Kreuzungsbereich Hauptstraße/Berliner Straße.

Teilbereich 3 – Streckenführung von Hauptstraße bis Lange Straße

Der Teilbereich 3 stellt den Kernbereich einer möglichen Tram-Anbindung von Lohfelden und somit auch die schwierigste und auch umstrittenste Passage dar. Folgende Trassen wurden betrachtet:

  1. Die Tram-Strecke endet südlich der Kreuzung Hauptstraße/Berliner Straße auf einer heutigen Freifläche (Spielplatz).
  2. Die Neubaustrecke endet im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Ochshausen. Eine Wendeschleife ist hier nicht möglich, daher müssten in dieser Variante Zweirichtungsfahrzeuge verwendet werden
  3. Die Neubaustrecke wird auf der alten Söhrebahntrasse bis zur Langen Straße geführt.
  4. Trassenführung über Karlsbader Straße bis In der Schlucht und ab dort alte Söhrebahntrasse bis zur Langen Straße.
  5. Streckenführung über Berliner Straße.
  1. Trassenführung über Spielplatz Berliner Straße, teilweise Friedrich-Ebert- Ring, Kulturhalle und im hinteren Bereich der Gebäude zwischen Friedrich-Ebert-Ring und Söhrestraße.
  2. Trassenführung über Hauptstraße, Söhrestraße und Sandweg zur Langen Straße.
  3. Streckenführung über Hauptstraße und Crumbacher Straße bis Lange Straße.

Teilbereich 4 – Streckenführung von Lange Straße bis Streckenende

Der Teilbereich 4 stellt die möglichen Verläufe südöstlich der Langen Straße zu den unterschiedlichen Endpunkten dar.

  1. (A)
    DieTram-Strecke endet im Bereich der ehemaligen Richter-Hallen.
  2. (B)
    Die Tram-Strecke wird im Straßenniveau bis an das Bürgerhaus geführt.
  3. (C)
    Die Trasse führt über die Lange Straße, Rathaus, quert die K 8 und endet südlich des Neubaugebietes Hammelsberg.
  4. (D)
    Die Trasse quert die Lange Straße, führt Richtung Süden bis an die L3203 (Neubaugebiet Herchenbach), verschwenkt wieder nach Nordosten und führt unter der Hochspannungsleitung bis an den nordwestlichen Rand des Ortsteils Vollmarshausen.
  5. (E)
    Trassenführung ab Lange Straße durch die Berliner Straße bis an den Ortsrand von Vollmarshausen.
  6. (F)
    Trasse verläuft südwestlich der Bebauung „Am Sandberg“, biegt im Bereich der Hochspannungsleitungstrasse nach Nordosten ab und verschwenkt auf die ehemalige Trasse der Söhrebahn. Im westlichen Bereich von Vollmarshausen verläuft die Strecke bis östlich des Mühlenberges. Hier verlässt die Bahn die ehemalige Strecke und führt über eine Neigungsstrecke bis zum Siedlungsrand Am Buchenberg.
  7. (G)
    Diese Variante verlängert die Trasse bis kurz vor die Welleröder Straße, wo eine Wendeanlage entstehen kann. Der Höhenunterschied zwischen Tram und Straße stellt hier eine topografische Barriere dar und macht die Haltestelle schwerer zugänglich.
  8.  (H)
    Diese Variante stellt im Verlauf der Streckenführung 4F eine mögliche Verkürzung und Wendeschleife südlich des Schilfweges dar. Baulich bestehen hier keine Probleme, doch ist die Erschließungswirkung mäßig und die Distanz zum Bürgerhaus / Rathaus recht groß.
  9. (K)

    Diese Variante ist dem VEP 2010 entnommen und stellt eine Ver- längerung von der Haltestelle Hammelsberg nördlich der K8 bis nach Vollmarshausen dar.